Der Kampf um die Standards der industriellen Revolution

Die älteste Initiative ist Industrie 4.0 aus Deutschland – sie wurde 2011 auf der Hannover Messe vorgestellt. Inzwischen hat sich das Konzept zur Hightech-Strategie der Bundesregierung weiterentwickelt, um deutsche Firmen, allen voran den Mittelstand, fit für die vernetzte Produktion der Zukunft zu machen. Die Branchenverbände der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), der Elektroindustrie (ZVEI) und der Telekommunikations- und Informatikwirtschaft (Bitkom) sind an der Umsetzung der Strategie mit beteiligt. Industrie 4.0 und das französische Pendant Industrie du Futur beraten zur Zeit eine Fusion. Das Industrial Internet Consortium (IIC) dagegen hat sich 2014 direkt aus einem Zusammenschluss, größtenteils amerikanischer, Firmen gebildet. Doch es kommen immer mehr internationale Firmen hinzu: Inzwischen sind auch Siemens, Fujitsu oder Bosch Mitglied im IIC. Richard Soley, der Botschafter des IIC wurde auf dem diesjährigen Maschinenbaugipfel in Berlin nicht müde zu betonen, dass das IIC keine amerikanische Interessenvertretung sei. Auf der LinkedIn-Seite des IIC steht trotzdem: „Das IIC wird die Entstehung des Industrial Internets, das grundlegend für die Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Firmen in industriellen Schlüsselsektoren ist, ermöglichen und beschleunigen“. Das IIC legt dabei seinen Schwerpunkt weniger auf die Vernetzung innerhalb der Fabrik, sondern auf die Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette. Auch in Japan wurde im Juni 2015 ein Pendant zur Industrie 4.0 Plattform der Bundesregierung gegründet: Die Industrial Value Chain Initiative (IVI). Dieses findet strukturell einen Mittelweg zwischen den beiden länger existierenden Plattformen. Wie das IIC wurde es von Unternehmen gegründet, auch hier vor allem japanische. In der Strategie ähneln sie den deutschen: „Wir wollen eine Struktur etablieren, die es uns ermöglicht, selbst kleine und mittelständische Unternehmen über das Internet firmen- und branchenübergreifend zu verbinden“, wird IVI Chef Yasuyuki Nishioka auf nikkei.com zitiert.

Gleiches Ziel – Verschiedene Strategien

Allen Initiativen ist gemein, dass sie Standards und Architekturen schaffen wollen, die eine vernetzte Produktion ermöglichen. Die einzelnen Initiativen unterscheiden sich dabei teils stark in der Herangehensweise. „In den USA wollen sie viele kleine Schritte so schnell wie möglich machen. In Deutschland sind die Anstrengungen theoretischer: Zuerst soll das Modell gefunden werden und dann wird zur Umsetzung gegangen“, zitiert Bloomberg den Industrie 4.0 Beauftragten des VDMA, Rainer Glatz. Das mag auch einer der Gründe sein, warum der deutschen Industrie 4.0 oft vorgeworfen wird, zu langsam in der Umsetzung von Industrie 4.0 Technologien zu sein. Der Blick auf die Zahlen widerlegt dies jedoch: Während 2013 nur 10 Prozent der befragen Informatik- und Telekommunikationsunternehmen Technologien für die Industrie 4.0 entwickelten sind es 2015 bereits 31 Prozent.

Statistik

Industrie 4.0 gut im Rennen

Zur Zeit liegt Industrie 4.0 im Wettlauf um die neuen Standards außerdem ganz gut im Rennen: Bereits zur Hannover Messe diesen Jahres wurde das RAMI 4.0, das Referenzarchitekturmodell für Industrie 4.0, vorgestellt. Ein Referenzarchitekturmodell regelt praktisch die „Sprache“ mit der die einzelnen Komponenten sowohl in als auch zwischen Firmen kommunizieren. Nun muss die deutsche Industrie das Referenzarchitekturmodell nur noch umsetzen.